Akute Bergkrankheit
Früh erkennenTypisch ist Kopfschmerz nach einem Höhengewinn zusammen mit Übelkeit oder Appetitverlust, Schwindel beziehungsweise Benommenheit sowie ungewöhnlicher Müdigkeit oder Schwäche.

Höhenkrankheit kann zunächst wie Erschöpfung oder ein Kater wirken. Entscheidend ist nicht, Beschwerden auszuhalten, sondern sie früh zu melden und richtig einzuordnen. Diese Seite zeigt dir die Unterschiede zwischen AMS, HAPE und HACE sowie die Regeln für Pause, weiteren Aufstieg oder Abstieg.
Höhenkrankheit ist der Oberbegriff für Beschwerden, die nach einem zu schnellen Aufstieg in große Höhe auftreten können. Der Sauerstoffanteil der Luft bleibt ungefähr gleich, aber der Luftdruck und damit der Sauerstoffpartialdruck sinken. Dein Körper erhält pro Atemzug weniger Sauerstoffdruck und braucht Zeit zur Anpassung.
Am Kilimandscharo ist das besonders relevant: Innerhalb weniger Tage führt der Weg aus dem tropischen Tiefland bis auf 5.895 Meter. Die technisch überwiegend einfache Gehstrecke darf deshalb nicht mit einer geringen Höhenbelastung verwechselt werden.
Medizinisch werden drei akute Höhenkrankheiten unterschieden: die häufigere akute Bergkrankheit AMS, das lebensbedrohliche Höhenlungenödem HAPE und das ebenfalls lebensbedrohliche Höhenhirnödem HACE.
Wichtig: Höhenkrankheit ist kein Zeichen mangelnder Fitness oder Willenskraft. Auch junge, trainierte und erfahrene Bergsteiger können betroffen sein.

Die folgenden Beschwerdebilder können sich überschneiden. Sie dienen der Orientierung, nicht der Selbstdiagnose. Am Berg beurteilt der Guide immer den Gesamtzustand und organisiert bei Bedarf medizinische Hilfe.
Typisch ist Kopfschmerz nach einem Höhengewinn zusammen mit Übelkeit oder Appetitverlust, Schwindel beziehungsweise Benommenheit sowie ungewöhnlicher Müdigkeit oder Schwäche.
Warnzeichen sind eine im Vergleich zur Gruppe auffällig schlechte Belastbarkeit, Atemnot bei geringer Anstrengung oder in Ruhe, Husten, Brustenge, extreme Schwäche oder eine rasselnde Atmung.
Typisch sind ein unsicherer Gang, Koordinationsverlust, Verwirrtheit, auffälliges Verhalten, starke Benommenheit oder die Unfähigkeit, sich selbst zu versorgen.
Schlechter Schlaf allein ist keine AMS-Diagnose: Unruhiger Schlaf und periodische Atmung sind in großer Höhe häufig. Im aktuellen Lake-Louise-Score gehört Schlafstörung nicht mehr zu den vier bewerteten AMS-Symptomen.
Die meisten schweren Verläufe kündigen sich an. Sicherheit hängt deshalb weniger von Härte als von früher Kommunikation und konsequenten Entscheidungen ab.
Kopfschmerz, Übelkeit, Schwindel oder ungewöhnliche Schwäche gehören sofort zum Guide. Verschweigen nimmt dem Team die Chance, rechtzeitig zu handeln.
Bei bestehender Höhenkrankheit wird der Aufstieg gestoppt. Erst nach vollständiger Besserung kann ein weiterer Aufstieg erwogen werden.
Werden Beschwerden trotz Ruhe oder Behandlung auf gleicher Höhe stärker, ist Abstieg notwendig. Bei Verdacht auf HAPE oder HACE beginnt er unverzüglich.
Der weitere Ablauf richtet sich nach Beschwerden, Funktionsfähigkeit und Entwicklung. Die folgende Übersicht zeigt die grundlegende Logik. Sie ersetzt weder die Entscheidung des Guides noch eine medizinische Beurteilung.
| Situation | Typische Beobachtung | Grundregel am Berg |
|---|---|---|
| Keine Beschwerden | Normale Verfassung für die Höhe, stabiles Gangbild, keine neuen Symptome. | Langsam weitergehen, regelmäßig essen und trinken, Veränderungen weiterhin melden. |
| Verdacht auf leichte AMS | Kopfschmerz plus Übelkeit, Appetitverlust, Schwindel oder ungewöhnliche Müdigkeit nach Höhengewinn. | Aufstieg stoppen, Guide informieren, auf gleicher Höhe ruhen und beobachten. Kein weiterer Aufstieg, solange Symptome bestehen. |
| Zunehmende AMS | Stärker werdende Beschwerden, wiederholtes Erbrechen, deutliche Schwäche oder Verschlechterung trotz Ruhe. | Abstieg einleiten und Behandlung nach Notfallplan. Nicht auf den nächsten Tagesplan oder den Gipfel warten. |
| Verdacht auf HACE | Unsicherer Gang, Koordinationsprobleme, Verwirrtheit, starke Benommenheit oder Bewusstseinsstörung. | Sofortiger Abstieg, Notfallsauerstoff und medizinisches Notfallmanagement. Die betroffene Person nicht allein lassen. |
| Verdacht auf HAPE | Unverhältnismäßige Atemnot, Atemnot in Ruhe, Husten, extreme Schwäche, Brustenge oder rasselnde Atmung. | Sofortiger Abstieg mit möglichst geringer Eigenanstrengung, Sauerstoff und medizinisches Notfallmanagement. |
Bei schwerer Erkrankung können Sauerstoff, Medikamente oder eine Überdruckkammer wertvolle Überbrückungsmaßnahmen sein. Sie dürfen einen notwendigen Abstieg nicht verzögern und gehören in die Hände geschulter Personen.
AMS beginnt häufig zwei bis zwölf Stunden nach der Ankunft in einer neuen Höhe oder nach einem weiteren Höhengewinn. Viele Beschwerden werden deshalb während oder nach der ersten Nacht deutlicher. Ohne weiteren Aufstieg bessert sich eine leichte AMS oft innerhalb von ein bis zwei Tagen.
Neue Beschwerden, die erst nach mehr als drei Tagen auf unveränderter Höhe auftreten, passen weniger typisch zu AMS. Dehydrierung, Erschöpfung, Infektion, Migräne, Unterzuckerung, Unterkühlung oder Medikamente können ähnlich wirken und müssen mitbedacht werden.
Darum zählt der Verlauf: Ein einzelner Kopfschmerz erklärt noch nicht die Ursache. Zeitpunkt, weitere Symptome, Funktionsfähigkeit und Veränderung über mehrere Kontrollen ergeben das sinnvollere Bild.
| Beobachtung | Einordnung |
|---|---|
| Kopfschmerz nach Höhengewinn | Zusammen mit Übelkeit, Schwindel oder Schwäche typisch für AMS. |
| Unruhiger Schlaf | In der Höhe häufig, allein aber keine AMS-Diagnose. |
| Fieber, Schnupfen, Gliederschmerz | Spricht eher für eine Infektion und gehört ebenfalls abgeklärt. |
| Neurologische Auffälligkeit | Nicht als „normale Höhe“ abtun; HACE oder eine andere ernste Ursache prüfen. |
| Atemnot in Ruhe | Kein normaler Bestandteil der Akklimatisierung; HAPE oder andere Ursache sofort prüfen. |

Ein Pulsoximeter misst die periphere Sauerstoffsättigung und den Puls. In großer Höhe sind niedrigere Werte als auf Meereshöhe zu erwarten. Die Messung kann Veränderungen sichtbar machen, liefert aber allein keine Diagnose und keinen universellen Grenzwert für „weitergehen“ oder „absteigen“.
Kalte Finger, Bewegung, helles Umgebungslicht, ein schlecht sitzender Sensor und sehr niedrige Sättigungsbereiche können das Ergebnis verfälschen. Aussagekräftiger sind sauber wiederholte Messungen, der persönliche Verlauf und der Vergleich mit Symptomen, Atmung, Gangbild und Verhalten.
Kein Warten auf eine Zahl: Verwirrtheit, Koordinationsverlust oder Atemnot in Ruhe sind Notfallzeichen, auch wenn ein Gerät scheinbar einen beruhigenden Wert zeigt.
Höhenkrankheit lässt sich nicht sicher verhindern. Eine sinnvolle Routenplanung und gutes Verhalten reduzieren aber das Risiko schwerer Verläufe.
Eine längere Route verteilt den Höhengewinn und gibt dem Körper mehr Zeit zur Anpassung, bevor die sehr große Gipfelhöhe erreicht wird.
„Pole pole“ spart Energie und vermeidet unnötige Belastungsspitzen. Das Tempo der ersten Tage darf sich bewusst langsam anfühlen.
Der Gewinn der Schlafhöhe ist besonders relevant. Bestehende Beschwerden bedeuten: den Aufstieg stoppen und nicht höher schlafen.
Je früher der Guide Bescheid weiß, desto besser lassen sich Verlauf, Pausen und notwendige Entscheidungen beurteilen.
Dehydrierung und fehlende Energie können Beschwerden verstärken. Trinke nach Durst und erzwinge keine extremen Wassermengen.
Alkohol gehört besonders in den ersten 48 Stunden auf neuer Höhe nicht dazu. Medikamente werden vorab ärztlich besprochen.
Wie die körperliche Anpassung funktioniert, erklären wir ausführlich unter Akklimatisierung am Kilimanjaro.
Keine Route garantiert Beschwerdefreiheit. Entscheidend sind die konkrete Zahl der Bergtage, die Schlafhöhen und die individuelle Reaktion. Längere Varianten wie Northern Circuit mit meist neun Tagen oder Lemosho mit meist acht Tagen geben dem Körper mehr Zeit als sehr kompakte Aufstiege.
Auch Machame oder Rongai können mit sieben Tagen sinnvoll geplant werden. Bei Marangu sollte die längere Sechs-Tage-Variante gegenüber dem Fünf-Tage-Aufstieg bevorzugt werden. Wer bereits schwere Höhenprobleme erlebt hat, braucht zusätzlich eine individuelle ärztliche Risikobewertung.
Mehr Zeit ist keine Garantie: Auch auf einer langen Route gilt bei bestehenden Symptomen „nicht höher“ und bei Verschlechterung „absteigen“.
Details findest du im Kilimanjaro-Routenvergleich und im Höhenprofil der Routen.

Acetazolamid, häufig unter dem Handelsnamen Diamox bekannt, beschleunigt die Akklimatisierung und kann je nach persönlichem Risiko zur Vorbeugung oder Behandlung von AMS eingesetzt werden. Es ist kein Gipfelmittel und darf eine zu kurze Route oder den notwendigen Abstieg nicht ersetzen.
Ob eine vorbeugende Einnahme für dich sinnvoll ist, wann sie beginnen soll und welche Gegenanzeigen oder Nebenwirkungen relevant sind, gehört vor der Reise in ein ärztliches Gespräch. Dexamethason und andere Notfallmedikamente sind ebenfalls kein Mittel zur eigenständigen Fortsetzung des Aufstiegs.
Eine höhenmedizinisch erfahrene Ärztin oder ein Arzt sollte früh einbezogen werden, wenn du bereits eine ausgeprägte Höhenkrankheit, HAPE oder HACE erlebt hast oder relevante Herz-, Lungen-, Blut- oder neurologische Erkrankungen bestehen.
Auch bei Schwangerschaft, regelmäßig eingenommenen Medikamenten, unsicherer Belastbarkeit oder anderen chronischen Erkrankungen ist eine individuelle Einschätzung sinnvoll. Eine allgemeine Internetseite kann diese Risikoabwägung nicht ersetzen.
Bei unseren Kilimandscharo-Besteigungen gehören WFR-ausgebildete Guides, Pulsoximeter, Notfallsauerstoff, eine Trage und ein klarer Notfallplan zum Sicherheitskonzept. Der Guide beobachtet nicht nur Messwerte, sondern auch Atmung, Gangbild, Verhalten, Appetit und die Entwicklung deiner Beschwerden.
Im Hintergrund bleibt unser Team in Moshi erreichbar. Am Berg liegt die unmittelbare Entscheidung beim verantwortlichen Guide. Wenn er den weiteren Aufstieg beendet oder einen Abstieg anordnet, dient das deiner Sicherheit und ist nicht verhandelbar.
Akute Höhenkrankheit kann grundsätzlich ab ungefähr 2.500 Metern auftreten, bei besonders empfindlichen Menschen auch etwas darunter. Das Risiko steigt mit der erreichten Schlafhöhe und der Geschwindigkeit des Aufstiegs.
Typisch für AMS ist Kopfschmerz nach einem Höhengewinn zusammen mit Übelkeit oder Appetitverlust, Schwindel beziehungsweise Benommenheit sowie ungewöhnlicher Müdigkeit oder Schwäche. Die Kombination und der Verlauf sind wichtiger als ein einzelnes Symptom.
Nein. Unruhiger Schlaf und periodische Atmung sind in großer Höhe häufig und allein keine AMS-Diagnose. Im überarbeiteten Lake-Louise-Score wurde Schlafstörung deshalb aus der AMS-Bewertung entfernt.
Eine seriöse Einzelzahl für alle Kilimandscharo-Besteigungen gibt es nicht. Häufigkeit und Schwere hängen stark von Routendauer, Schlafhöhen, Tempo, vorheriger Höhenexposition und individueller Anfälligkeit ab. Leichte Höhenbeschwerden sind wegen des schnellen Anstiegs nicht ungewöhnlich.
Nicht jeder Kopfschmerz verlangt automatisch den sofortigen Abstieg. Er muss aber gemeldet und zusammen mit weiteren Symptomen beurteilt werden. Bei bestehender AMS wird nicht höher aufgestiegen; bei Verschlechterung trotz Ruhe oder Behandlung ist Abstieg notwendig.
Es gibt keinen einzelnen Wert, der unabhängig von Höhe, Messqualität und Symptomen eine sichere Entscheidung erlaubt. Kalte Finger und Bewegung verfälschen Messungen. Neurologische Auffälligkeiten oder Atemnot in Ruhe wiegen schwerer als eine scheinbar beruhigende Zahl.
Ja. Fitness erleichtert lange Etappen und den Abstieg, schützt aber nicht zuverlässig vor AMS, HAPE oder HACE. Für das Höhenrisiko sind vor allem Aufstiegsprofil, persönliche Anfälligkeit und frühere Höhenreaktionen relevant.
Acetazolamid kann die Akklimatisierung beschleunigen und das AMS-Risiko senken, verhindert Höhenkrankheit aber nicht garantiert. Es ersetzt weder eine geeignete Route noch langsames Gehen oder den Abstieg bei Verschlechterung und sollte ärztlich abgestimmt werden.
Ja, Sauerstoff ist eine wichtige Notfallmaßnahme und kann Symptome während Vorbereitung oder Durchführung eines Abstiegs lindern. Er ist nicht dafür gedacht, Beschwerden zu überdecken und den Aufstieg zum Gipfel fortzusetzen.
Meist sind längere Varianten sinnvoller: Northern Circuit mit etwa neun Tagen oder Lemosho mit etwa acht Tagen geben mehr Zeit als kompakte Aufstiege. Auch dann gibt es keine Garantie. Die konkrete Campfolge und deine Vorgeschichte müssen berücksichtigt werden.
Wir schauen auf deine Höhenerfahrung, den verfügbaren Zeitraum und die passende Routendauer. Bei medizinischen Fragen empfehlen wir zusätzlich eine höhenmedizinische Beratung vor der Reise.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite bietet allgemeine Reiseinformation und ersetzt keine individuelle Diagnose, Behandlung oder ärztliche Beratung. Fachliche Orientierung: CDC Yellow Book · Wilderness Medical Society, 2024 · Lake Louise AMS Score, 2018 · UIAA Medical Commission